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Ein ganz normaler Dienstag

Notizen von Marlene

Dienstag, 10 Uhr. Früher war Dienstag Markttag. Karl und ich sind zusammen runter ins Dorf, Gemüse kaufen, Leute treffen, in der Sonne stehen. Heute ist Dienstag der Tag, an dem Sarah kommt. Sarah ist 22 und studiert irgendwas mit Psychologie. Sie trägt immer diese bunten Socken, jede Woche andere. Wenn sie klingelt, hellt sich der ganze Flur auf. Das Verrückte: Sie kommt eigentlich nur zum Putzen. Aber irgendwie ist das nie nur Putzen.


Heute haben wir beim Küche wischen über ihre Prüfungen geredet. Sie ist nervös. Ich hab ihr von meiner Lehrerinnen-Prüfung 1965 erzählt – ohne Handy zum Spicken, hab ich gescherzt. Sie hat gelacht. Ein echtes Lachen, nicht dieses höfliche von manchen jungen Leuten.


Dann hat sie mich gefragt, ob ich noch Hilfe im Garten brauche. "Der Rasen wird langsam wieder länger, oder?" Hat sie recht. Nächste Woche kommt Max, ein anderer Student. Gärtner ist er eigentlich nicht, aber er macht's gerne. Und ich zeige ihm, wie man Rosen schneidet. Win-win, sagt Sarah immer.


Manchmal denke ich: Wie bin ich eigentlich zu diesem... wie heißt das... TaskBuddy gekommen? Ach ja, Dorothea von nebenan hat mir davon erzählt. "Marlene", hat sie gesagt, "ruf da mal an. Die sind nett. Nicht so eine Agentur wie früher."


Ich war skeptisch. Im Internet was bestellen? Nein, nein. Aber dann hat mir Dorothea erklärt: "Du rufst einfach an. Am Telefon. Wie früher." Das konnte ich mir vorstellen. Die Dame am Telefon hat mich nie gehetzt. Hat zugehört, als ich umständlich erklärt hab, was ich brauche. Hat nie gesagt "Das steht doch auf der Website." (Was für eine Website? Ich hab kein Internet.)


Jetzt, drei Monate später, kommen Sarah, Max und manchmal Julian. Julian hilft mir mit dem Computer, den mir Timo geschenkt hat. "Damit wir videotelefonieren können, Oma." Der Julian ist geduldig. Erklärt zehnmal das Gleiche, ohne genervt zu sein.


Neulich hat Timo mich gefragt, ob ich zufrieden bin. "Mit was?", hab ich gefragt. "Mit TaskBuddy, Oma. Das ist doch das, was du nutzt." Ich hab einen Moment gebraucht. Das ist also dieses Startup-Ding, von dem er immer redet? "Timo", hab ich gesagt, "das sind keine Dienstleister. Das sind Freunde, die zufällig auch helfen." Er war ganz still. Dann hat er gesagt: "Genau das wollten wir, Oma."


Dienstag, 15 Uhr. Sarah ist weg, die Küche blitzt. Auf dem Tisch steht ein Zettel: "Bis nächste Woche! PS: Ich habe die Prüfung bestanden! ❤️" Ich klebe ihn an den Kühlschrank. Neben Timos Foto.


11.12.2025 - 10:53 Uhr

Marlene und die Notiz am Kühlschrank